Besuch

Im Mai führte mich eine Pilgerwanderung auf den Berg Athos. Einige Übernachtungen in verschiedenen Klöstern waren reserviert, doch bei der letzten Station, der Übernachtung in der Mönchssiedlung Nea Skite, konnten wir das telefonisch vereinbarte Ziel nicht finden. Ein glücklicher Zufall und ein Gespräch einige Tage zuvor auf der Fähre, veranlassten mich an die Tür von Pater Nikon zu klopfen. Doch am frühen Nachmittag ist in den Mönchszellen niemand anzutreffen – Siesta ist angesagt. Also selbst neben der Kirchen ein Nickerchen gemacht und am späten Nachmittag nochmals ankgeklopft. Nun öffnete mir der Gastmönch, teilte mir jedoch mit, dass Pater Nikon sich auf einer Reise befand. Die Mönche im Haus könnten uns aber gerne zu einem Kaffee einladen.
Gerne haben wir dieses Angebot angenommen. Beim Gespräch mit dem Gastmönch habe ich dann nochmals unsere Lage erklärt. Der Mönch meinte, er werde sich mit Pater Nikons erstem Mönch beratschlagen, ob sie uns helfen könnten. Kurze Zeit später kam Mönch Eugenios die Treppe herunter und unter dem Rosenbogen stehend rief er uns auf Deutsch zu: „Herzlich Willkommen!“
Wir waren sehr erstaunt, schließlich war die letzten Tage Kommunikation auf Griechisch und mit Händen und Füßen angesagt. Eugenios erklärte sich sofort bereit sich um eine Lösung für unser Nächtigungsproblem zu kümmern und kurze Zeit später konnte er auch schon mit der Lösung aufwarten. Da ein angemeldeter Pilger nicht mehr kommen würde, hätter er noch genau vier Betten frei, wir können also hier im Haus übernachten.

Für das Abendessen wurde extra für uns noch etwas aufgekocht und auch sonst war die Aufnahme in die Mönchsgemeinschaft im Haus überaus freundlich. Am nächsten Morgen konnten wir dann beim Frühstück längere Zeit mit Möch Eugenios diskutieren. Es war äußerst spannend das Mönchsleben am Berg Athos so hautnah miterleben zu können.
Kurz vor unserer Abreise gab ich Mönch Eugenios noch meine E-Mail-Adresse. Er hatte den Wunsch auch weiterhin mit mir in Kontakt zu bleiben. In den nächsten Monaten hielten wir also unregelmäßigen E-Mail-Kontakt. Im September schrieb mir dann Eugenios, es habe sich kurzfristig die Chance für ihn ergeben, eine Reise nach Deutschland und in die Schweiz zu unternehmen. Wenn es möglich wäre, dann könnten wir uns treffen.

Nun ist natürlich Deutschland nicht so weit weg, aber ein Treffen erschien mir dennoch etwas schwierig. Schon kurz darauf schrieb mir Eugenios dann aber, er werde auch nach Österreich kommen, in die Nähe von Salzburg. Jetzt war die Sache schon etwas leichter. Anfang Oktober war es dann so weit. Eugenios meldete sich aus München und wir vereinbarten einen Termin, an dem ich ihn in abholen würde.
Vergangenen Donnerstag fuhr ich also in Begleitung von Eugenios von Salzburg nach Linz. Wir unternahmen einen kleinen Rundgang durch die Innenstadt, besuchten den Dom und dann gab mir Eugenios noch ein längeres Interview. Am Abend trafen wir uns dann noch mit den anderen Athospilgern in Traun und hier leistete uns auch der mitgereiste Bruder Gennadios Gesellschaft.

Als ich vor vier Jahren erstmals den Berg Athos besuchte, war dies eine völlig unbekannte Welt für mich. Und nun bekomme ich Besuch genau von dort. „Die Wege des Herrn sind unergründlich.“ Und vielleicht klappt die Kommunikation mit Mönch Eugenios auch deshalb so gut, weil wir der selbe Jahrgang sind 😉

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s