Kärnten. Die schlimmeren Griechen!

Dieses Wochenende standen sie wieder in den Zeitungen. Die bösen Griechen und ihr Unwillen den aufgezwungenen Sparplänen der EU zuzustimmen. In die Zeitungen hat es aber auch ein zweites Schuldenland geschafft. Kärnten. Auch dort wehrt man sich gegen die Sparpläne. In diesem Falle jene, die der österreichischen Finanzminister sich von Kärnten wünscht.

Ich gebe es ja zu, ich bin in wirtschaftlichen Dingen kein Experte. Dennoch habe ich mir mal die Schuldenstände von Griechenland und Kärnten recherchiert. Nimmt man nicht die Schuldenstände laut BIP sondern einfach die pro Kopf Verschuldung, dann liegt die bei Griechenland derzeit bei 29.451,- Euro (318,5 Mrd. Euro Schulden verteilt auf 10.8 Millionen Griechen).

Für Kärnten ergibt sich folgendes Bild. Laut eines Berichtes im Format hat jeder Kärntner Schulden von 5.819,- Euro. Das sind allerdings nur die Schulden durch das Land Kärnten. Nun muss man ja auch noch die Schulden dazurechnen, die jeder Österreicher hat. (Pro Kopf Verschuldung in Österreich liegt bei 32.893,- Euro und damit bereits einiges über der pro Kopf Verschuldung der Griechen). Jeder Kärntner ist somit mit 38.712,- Euro verschuldet.

Damit ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Denn wird die Landeshaftung für die Hypo-Kärnten schlagend (10 Mrd. Euro), dann erhöht sich der Schuldenstand jedes Kärntners schlagartig auf 56.710,- Euro! Damit wäre dann jeder Kärntner fast doppelt so hoch verschuldet wie jeder Grieche.

Wenn wir jetzt das Gedankenexperiment weiterspinnen. Dann würde dies bedeuten, die Sparmaßnahmen die man Griechenland zumutet, müssten für Kärnten verdoppelt werden. Sprich: massiver Stellenabbau im öffentlichen Dienst. Streichung des 13. und 14. Monatsgehaltes und noch zweier Monatsgehälter (die Sparmaßnahmen müssen ja doppelt so hoch ausfallen). Anhebung der Mehrwertsteuer und massive Senkung der Gesundheitsausgaben.

Nehmen wir nun wieder das Beispiel Griechenland her. Seit den Sparparketen ist die Arbeitslosigkeit in Griechenland auf 26 % gestiegen. Würde das dann eine Arbeitslosenquote für Kärnten von 50% ergeben? Und natürlich würden die anderen Bundesländer von Kärnten immer noch mehr fordern und zusehen wie die Schulkinder in den Kärntner Schulen hungern? Ein Heer von Obdachlosen in den Straßen rund um den Lindwurm haust?

Wieso sollten die österreichischen Bundesländer dem Land Kärnten helfen? Die EU zeigt uns ja vor, wie die Krise scheinbar zu bewältigen ist. Die Kärntner, die schlimmeren Griechen. Und auch die Wortwahl aus Kärnten kommt mir irgendwie bekannt vor. Finanzlandesrätin Gabriele Schaunig (SP) will zwar Zielvorgaben für Reformen liefern. Deren Umsetzung „lassen wir uns aber nicht vom Bund vorschreiben“.

Ich hoffe es für die Kärntner und für die Griechen, dass Politik künftig für die Menschen gemacht wird und nicht für das Geld.

Fotomontage erstellt mit einem Foto von pixabay.com und einem Foto unter CC von k_tjaaa

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Ein Gedanke zu “Kärnten. Die schlimmeren Griechen!

  1. ich lese aus meinem kaffeesatz, dass die griechen zeit gewinnen müssen und dafür einen staatsbankrott griechenlands in kauf nehmen. die eu will griechenland im euro halten, koste es was es wolle. das vertrauen in die eu und deren glaubwürdigkeit steht auch ohne griechenlands pleite auf dem spiel: deutsche wirtschafts nachrichten: “Schulden außer Kontrolle – Die Vorahnung eines perfekten Sturms – entgegen allen offiziellen Beschwörungen gefährdet ein Kollaps in Griechenland das weltweite Finanzsystem sehr wohl – Risiken im globalen Finanzsystem sind seit Oktober 2014 gestiegen.” sollte die eu griechenland trotz staatsbankrott im euro halten wollen, steht eine teure sanierung an. ohne diese sanierung wird griechenland wieder die drachme einführen und mit guten chancen seine wirtschaft selbst “retten”, ein austritt aus der eu ist von den griechen (noch) nicht vorgesehen.
    https://campogeno.wordpress.com/2015/04/24/was-planen-die-griechen/

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